Die Moore im Tiroler Bezirk Kitzbühel

Gefährdung von Mooren


Die größte Gefährdung geht von uns Menschen aus. Im dicht besiedelten Mitteleuropa sind nicht nur Moore, sondern alle Feuchtgebiete mehr oder weniger gefährdet. Sie sind wirtschaftlich nicht oder nur beschränkt ausbeutbar und werden demzufolge als vermeintlich überflüssig deklariert bzw. entsprechend verändert oder auch unwiderruflich zerstört.

Beispielhaft am Hochmoor soll hier die Zerstörung ursprünglicher Naturlandschaften skizziert werden:

Die wichtigsten torfbildenden Pflanzen sind - wie schon mehrfach erwähnt - die Torfmoose (Sphagnum sp.). Ab einem organischen Substratgehalt von ca. 30% spricht man von Torf. Je nach Zersetzungsgrad unterscheidet man Weiß-, Braun- und Schwarztorf.

Besonders Braun- und Schwarztorf wurden schon frühzeitig als Brennmaterial abgebaut. Der Brennwert des entwässerten Torfs beträgt aufgrund des hohen Kohlenstoffgehalts 20–22 MJ/kg, was ungefähr dem Brennwert der Braunkohle entspricht. Später wurde der Weißtorf als Düngemittel verwendet.


Torfstich (Foto: Klaus Enslin, Wikipedia, Stichwort "Torfstich" )

Da die Torfschicht im Zentrum eines Hochmoors stets am mächtigsten ist, erfolgte dort auch der intensivste Abbau. Heute zeugen deutliche Stufen in den noch vorhandenen Hochmooren von diesen Aktivitäten (z.B. im Torfmoos, dort die letzte Abbildung).

Man muss sich immer wieder vergegenwärtigen, dass die Torfschicht in einem Moor ca. 1000 Jahre benötigt, um einen Meter in die Höhe zu wachsen! Baut man also 50 cm Torf in einem Moor ab, zerstört man in kürzester Zeit 500-jährige Arbeit der Natur!

Hinzu kommt, dass der Abbau von Torf den sog. "Treibhauseffekt" fördert. Mit der Freilegung sauerstoffarmer Torfschichten wird nämlich aus der Luft O2 zugeführt. Der Kohlenstoff (C) des Torfs reagiert mit ihm, und es bildet sich das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2).

Wesentlich folgenreicher als der lokale Torfabbau waren die intensiven Bemühungen der Vergangenheit, ausgedehnte Moorgebiete in Kulturlandschaften umzuwandeln:

Die großflächige Zerstörung von Mooren begann in Mitteleuropa im Zuge der Fehnkultur. Der Begriff "Fehn" stammt aus dem Niederländischen und bedeutet "Moor". Die Fehnkultur begann in Mitteleuropa ab dem 16. Jahrhundert an Bedeutung zu gewinnen. Die erste deutsche Hochmoorkultivierung fand 1630 in der Fehnkolonie Papenburg statt. Die Moorgebiete wurden entwässert, abgebrannt, der Schwarztorf abgebaut und als Brennmaterial genutzt. Die Moore wurden mit Material aus den Flüssen aufgefüllt sowie für die Besiedlung und Landwirtschaft urbar gemacht. Die Fehnkultur wurde später durch die sog. "Deutsche Hochmoorkultur" abgelöst. Damals wurden in Norddeutschland riesige Moorflächen unwiderruflich zerstört.

Leider sind die meisten Bauern im überwiegend agrarisch genutzten Bezirk Kitzbühel bezüglich des ökologischen Werts von Mooren meist noch nicht sensibilisiert. Für sie sind sie im Bereich ihrer Landwirtschaftsflächen vor allem ungeliebt, weil wirtschaftlich kaum bzw. nicht verwertbar (Zitat eines Bauern: "Dös Moos do is so sauer, dös meg'n nit moi insere Rösser und Goasen." Übersetzung: Dieses Moor ist so sauer, das mögen nicht einmal unsere Pferde und Ziegen). Teilweise - falls nicht gar zu feucht - werden die Moore auf bäuerlichen Gründen im Herbst gemäht. Das Mahdgut wird dann als Einstreu im Stall verwendet, d.h. abgeräumt, was einer Eutrophierung entgegenwirkt und somit zu begrüßen ist. Leider wird das Mahdgut teilweise auch an Ort und Stelle liegengelassen, vermutlich in der Hoffnung, dass es im Moor mit der Zeit trockener wird. Ein Bauer sagte, dass er nur mähe, damit es im Moor "nimma so schiach ausschaut" ("schiach" = hässlich). Mitunter wird auch gezielt Schotter, Bauschutt, Geäst oder Mahdgut in Schlenken eingebracht. Oftmals dienen die Moore, insbesondere Nieder- und Übergangsmoore während des Sommers auch als Viehweide. Dies trägt ebenfalls zur Zerstörung (zumindest erheblicher Störung) der noch bestehenden Moore bei, sofern die Dauer der Beweidung zu lang ist bzw. die Herden für die beweideten Flächen zu groß sind.


Durch einen Sturm verwüsteter Streifen eines mit Fichten aufgeforsteten Hochmoors (Moor bei Sperten). Sehr viel Material wurde bei den Aufräumarbeiten zunächst einfach liegen gelassen, was den sicheren Tod dieses Hochmoors bedeutet (Foto: Verena Panovits).

Dass flachwurzelnde Fichten auf moorigem Untergrund starken Stürmen nicht standhalten können, sollte eigentlich jeder Waldbewirtschafter wissen. Hochmoore mit standortfremden Gehölzen aufzuforsten, ist m.E. regelrechter Umweltfrevel. In obigem Gebiet blieben nach dem Sturm nur noch einzelne Birken und Erlen stehen. Das einstige Hochmoor ist nun zerstört.

Erst in jüngster Zeit, da neben anderen natürlichen Biotopen auch zahllose Moorgebiete für immer verschwunden sind, besinnt man sich auf den ökologischen Wert und die eigentümliche Schönheit dieser hochsensiblen und wertvollen Räume. Übergangs- und Hochmoore sind nicht so einfach wieder herzustellen wie z.B. ein natürlicher Flusslauf oder ein Mischwald. Eine Renaturierung dieser Moore ist nur dort möglich, wo noch intakte Relikte des ursprünglichen Moors vorhanden sind. Es dauert Generationen, bis sich ein gestörtes Moor wieder so erholt hat, dass es als "ungestört" gelten kann.

Im Tiroler Bezirk Kitzbühel erfolgen gezielte Renaturierungsmaßnahmen vor allem an den südlichen Ausläufern des Kaisergebirges. Dort ist ein größeres Gebiet mit diversen Mooren zu einem attraktiven und gut besuchten Ausflugsgebiet entwickelt worden: Moor & more. Die Moore dieses Gebiets sind zu einem Großteil zwar stark gestört, doch haben sie nun vielleicht eine Chance, sich im Verlauf der Jahrzehnte regenerieren zu können.

Eine Chance haben seit den Flutkatastrophen der letzten Jahre auch die Niedermoore, die sich meist im Bereich verlandender Seen und Flussauen befinden. Zur Minimierung der Hochwassergefahr werden inzwischen viele Bereiche als Retentionsflächen ausgewiesen, in denen sich im Fall eines Hochwasserereignisses das Wasser verteilen kann. Solche Flächen sind z.B. das Leukental zwischen Kirchdorf und Kössen und das Pillerseemoor.






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