Die Moore im Tiroler Bezirk Kitzbühel

Moortypen


Geographisch-geomorphologisch unterscheidet man grob:

1.  Flachmoor, Wiesen- und Niedermoor (Hygrophorbium)
Flachmoore sind durch einen hohen Grundwasserstand geprägt. Der Härtegrad  (pH-Wert) des dortigen Wassers ergibt sich vor allem aus dem geologischen Untergrund. Es herrscht i.d.R. eine große Artenvielfalt vor. Klassische Standorte solcher geologisch junger Moore sind Verlandungszonen von Seen und Flussauen, aber auch ehemalige Abbaugebiete (z.B. Kiesgruben).

Je nach der Entstehungsart werden Flachmoore eingeteilt in:
-  Seemuldenmoore,
-  Talmoore bzw. versumpfte Talauen und
-  Quell- bzw. Hangmoore.

Das Niedermoor wird auch als "Ried" bezeichnet.

Die Mikroflora und -fauna von ungestörten Niedermooren ist außerordentlich artenreich. Es finden sich aber meist nur wenige spezialisierte Arten.


Typisches Niedermoor im Vorfrühling (Pillerseemoor/St. Ulrich a.P.)

2.  Hochmoor (Hygrosphagnium)
Das Hochmoor ist vollkommen grundwasserunabhängig und lebt vom nährstoff- und mineralstoffarmen Niederschlagswasser. Hochmoore sind demzufolge reine Regenmoore. Aufgrund der ständig wachsenden Torfschicht erhält das klassische Hochmoor mit zunehmendem Alter ein uhrglasartiges Relief. In ungestörten Mooren ist es im Zentrum, d.h. im ältesten Teil am mächtigsten. In Mitteleuropa wächst ein lebendes Moor im Durchschnitt ca. 1 m je Jahrtausend in die Höhe. Ein Großteil der heutigen Hochmoore entstand im Ausklingen der letzten Kaltzeit (Weichsel-Kaltzeit in Nordeuropa, Würm-Kaltzeit im Alpenraum), d.h. vor ca. 10.000-12.000 Jahren.

Hochmoore sind nicht selten gänzlich frei von höheren Gehölzen - je saurer das Milieu, desto weniger Gehölze können sich behaupten. Man findet allenfalls niedrig bleibende Betula-, Frangula- und Pinus-Arten. Auf den trockeneren Bulten gedeihen verschiedene Heidekrautgewächse (Ericaceae), oft findet man auch Brombeere (Rubus fruticosus) und Erle (Alnus sp.).

Typisch für nasse Bereiche in Hochmooren ist ein schwingender Untergrund, auf dem man sich ein wenig fühlt wie auf einer im Wasser schwimmenden Luftmatratze.

Bei den Mikroorganismen herrschen einzelne, auf saure Gewässer spezialisierte Zieralgen-Arten (Desmidiaceen) und vor allem Schalenamöben (Testaceen) vor.


Typisches Zwischen- und Hochmoor (Sima-Moor/Waidring) im August. Der Übergang zwischen dem Zwischenmoor und dem Hochmoor im Hintergrund befindet sich knapp oberhalb der Bildmitte (im Hintergrund das Hochmoor)

Regionale Bezeichnungen für Hochmoore sind "Filz" und "Moos". Davon, wie "moorgeprägt" der Bezirk Kitzbühel ist, zeugen zahlreiche Orts(teil)namen, wie z.B. "Filzen", "Hochfilzen", "Torfmoos", "Moosen", "Mittermoos", "Recherfilz", "Neumoos" oder "Moosbach".

3.  Zwischen- bzw. Übergangsmoor
Dieses bildet ein Übergangsstadium zwischen Flach- und Hochmoor. I.d.R. finden sich innerhalb Moors mindestens zwei Stadien, die direkt aneinander grenzen. Auf dem obigen Foto des Sima-Moors erkennt man diese Grenze: Das Übergangsmoor reicht bis zur dunklen Linie in der Bildmitte, dahinter befindet sich das Hochmoor.

Ungestörte Übergangsmoore enthalten meist die größte Desmidiaceen-Vielfalt. Auch findet man zahlreiche Rädertiere, Schalenamöben und Insektenlarven.

4.  Komplexmoor
In einem Komplexmoor sind Anteile aller o.g. Moortypen vertreten. Nach Steiner (1992) ist dieser Moortyp in Österreich recht selten. Hauptverbreitungsgebiet ist die boreale Klimazone. Solche Moore gibt es aber auch in unserem Bezirk, z.B. das Lauchseemoor in Fieberbrunn oder auch das Hacklried in Kössen.


Ökologische Moortypen

Im Österreichischen Moorschutzkatalog (Steiner 1992) werden die Moore gemäß ihrer Trophie- und Säure-Basenstufe in folgende Kategorien eingeteilt:
-  oligotroph-saure Moore
-  oligotroph-subneutrale Moore
-  oligotroph-kalkhaltige Moore
-  mesotroph-saure Moore
-  mesotroph-subneutrale Moore
-  mesotroph-kalkhaltige Moore
-  eutrophe Moore
 
Bei den eutrophen Mooren handelt es sich in aller Regel um intensiv bewirtschaftete Niedermoore. Oligotroph-kalkhaltige Moore sind sehr selten geworden und befinden sich in unserem Gebiet meist im Einzugsbereich unbelasteter Bergbäche der Nördlichen Kalkalpen.
 
 


 

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