Die Moore im Tiroler Bezirk Kitzbühel

Sima-Moor (ZH)


Gemeinde:

Waidring
Höhe ü.d.M.: ca. 750 m
Fläche: 5,5 ha
Moortyp(en): Zwischen- und Hochmoor







Sima-Moor westlich von Strub (rechts im Bild)

Nur ein kleiner Teil des Hochmoors ist noch weitgehend naturbelassen. Teils wurde noch in den 80er Jahren Torf gestochen, teils wurde in den 60er Jahren in einem Teilgebiet ein Aufforstungsversuch mit Fichten unternommen. Im östlichen Bereich wird einmal jährlich (September) gemäht. Das Mahdgut wird entfernt. Im südwestlichen Bereich wird das Moor leider als Lagerstätte für allerlei Müll missbraucht. Hier haben sich auch viele Neophyten angesiedelt.

Im noch ungestörten zentralen Hochmoorbereich herrscht die Bunte Torfmoosgesellschaft (Sphagnetum magellanici) vor. Floristisches Inventar v.a.:  Besenheide (Calluna vulgaris), Rosmarinheide (Andromeda polifolia), Moosbeere (Vaccinium oxycoccos), Moor-Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), Langblättriger Sonnentau (Drosera anglica , Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia), Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium), Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum) sowie Seggen (Carex sp.) und Torfmoose (Sphagnum sp.). Bei den Gehölzen dominieren Moor-Birke (Betula pubescens) und Latschenkiefer (Pinus mugo).

Die Mikroflora und -fauna in diesem Moor ist hochinteressant und enthält zahlreiche seltene Arten. Besonders bei den Zieralgen, Schalenamöben und Rädertieren ist eine bemerkenswerte Artenvielfalt festzustellen (siehe Fotogalerien).

Meiner Ansicht nach sollte dieses Moor unbedingt als Naturdenkmal deklariert und behutsam touristisch erschlossen werden. Es wäre mit relativ geringem Aufwand leicht zu begehen, ohne den sensiblen Bereich zu gefährden. Zum Sima-Moor liegt eine veröffentlichte Biotop-Kartierung (Silberberger 2004b) vor. Dort heißt es u.a.: "Das Sima-Moor ist wegen der Seltenheit im Gemeindegebiet Waidring, dem Vorkommen gefährdeter und geschützter Arten und der landschaftlichen Eigenart und Schönheit besonders schützenswert."

Vom katastrophalen Hochwasser Ende Mai/Anfang Juni 2013 war leider auch dieses Moor betroffen. Es hatte fast komplett unter Wasser gestanden und war anschließend mit einer mächtigen, kalkhaltigen Schlammschicht überzogen. Davon hat sich der betroffene Teil des Moors bis heute nicht wirklich erholt. Seitdem besuche ich das Moor zwei- bis dreimal jährlich. Bei einem Besuch Ende Juli 2013 waren so gut wie keine Desmidiaceen mehr zu finden. Die Oberfläche des Moors war grau vom Schlamm. Im Juni 2014 besuchte ich das Moor erneut, um festzustellen, dass es dort nur noch wenig lebendes Sphagnum gab. Es waren nun zwar wieder Desmidiaceen vorhanden, doch hatte sich das Artenspektrum sehr verändert und ähnelte nun eher jenem von Niedermooren. Allein das seltene Cosmarium raciborskii war wieder anzutreffen, im Jahr 2014 noch häufiger als im April 2015. Die verbliebenen Sphagnum-Bestände erholen sich sehr zögerlich. Im April 2015 waren aber wieder einzelne Sphagnum-Schlenken zu finden. Im Sommer 2015 waren auch Drosera-Arten wieder anzutreffen. Im Sommer 2016 hatten die Sphagnum-Polster weiterhin zugenommen, es fand sich auch Cosmarium raciborskii wieder. Im Herbst 2016 wurde auch das Moortönnchen (Amphitrema wrightianum), eine typische Art intakter Hochmoore, wieder gefunden.
Sicher wird sich dieses schöne Moor wieder vollständig regenerieren, sofern man es in Ruhe lässt. Aber dies wird noch etliche Jahre in Anspruch nehmen.

Nebenbei scheint zur Zeit (Sept. 2016) ein schon seit 2011 prodelndes Schotter-Abbauprojekt direkt südlich des Moors wieder akut zu werden, mit dessen Realisierung das Ende dieses einzigartigen Naturjuwels besiegelt sein könnte. Es wäre unendlich schade, würde man das Sima-Moor zerstören, handelt es sich hier doch um eines der letzten Zwischen- und Hochmoore, die sich im Bereich der Nordtiroler Kalkalpen erhalten konnten. Hierzu gehört auch die Schwemm bei Walchsee, die zum Glück vor einigen Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.



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