Die Moore im Tiroler Bezirk Kitzbühel

Desmidiaceen



Die zu den grünen Algen zählenden Zieralgen (Desmidiaceen) kommen zwar allgemein im Süßwasser vor, sie bevorzugen aber stehende, unbelastete und nährstoffarme (oligotrophe) Gewässer. Einzelne Arten leben auch in Moospolstern, auf feuchter Erde oder an überrieselten Felsen (Lenzenweger 1996). Desmidiaceen sind einzellige Pflanzen, die allerdings auch im Zellverbund (Kettenbildung) auftreten können.

Die größte Artenvielfalt findet man in sauberen, schwach bis mäßig sauren Nieder- und Übergangsmooren. Je saurer das Milieu wird, desto weniger Arten können überleben. Diese wenigen, sog. azidophilen Arten findet man dann aber mitunter massenhaft - dies allerdings nicht mit bloßem Auge, sondern nur mittels Mikroskop.

Anschließend je ein Beispiel aus einer sauren Hochmoorschlenke (Mittermoos in Fieberbrunn) und einem Übergangsmoor (Randbereich Schwefelbad in Fieberbrunn):


Massenhaft Vielfinger-Zieralgen (Netrium digitus) in einer sauren Hochmoorschlenke

Netrium digitus findet man zwar auch in alkalischen Gewässern, jedoch niemals in solchen Mengen, wie auf obigem Foto zu sehen. Wesentlich artenreicher ist die Desmidiaceenflora in den weniger sauren Übergangsmooren:


Actinotaenium turgitum, Micrasterias denticulata, Micrasterias rotata und Pleurotaenium sp. in einem Übergangsmoor

Die Desmidiaceen werden auch als Jochalgen bzw. Conjugaten bezeichnet. Die Bezeichnungen "Jochalgen" und "Conjugaten" hängen mit der speziellen sexuellen Fortpflanzung zusammen, die neben der einfachen Zellteilung stattfindet.


Zygoten als Ergebnis der Kopulation zweier Zygnema-Fäden (Zygnema cf. leiospermum)


Zygospore von Staurastrum cf. subscabrum als Ergebnis der Conjugation (gestackt mittels Helicon Focus)

Vegetative Vermehrung - die Zellteilung:

Die Radalge (Micrasterias rotata) während der Zellteilung

Bei den Zieralgen werden folgende Ordnungen unterschieden:

  • Mesotaeniales (Mesotaenium, Roya, [Spirotaenia], Netrium),
  • Gonazygales (Gonatozygon),
  • Desmidiales (alle Gattungen mit mehr oder weniger deutlichem Einschnitt zwischen zwei symmetrischen Zellhälften) und
  • Zygnemales (Mougeotia, Spirogyra und Zygnema), die unverzweigte Fäden bilden.  

Die Desmidiaceen gehören neben einzelnen Grünalgen und vielen Kieselalgen zu den schönsten Vertretern der Mikroflora. Hier z.B. ein Exemplar aus dem Moor am Gieringer Weiher (Reith bei Kitzbühel):


Micrasterias fimbriata

In den Galerien wird der Zieralgenflora besondere Aufmerksamkeit gewidmet, denn gerade sie reagiert meist besonders empfindlich auf jedwede Mileuveränderung und Verschmutzung. Zudem liegen aus dem Bezirk Kitzbühel bisher kaum Publikationen dazu vor, so dass mit dieser Homepage und Opitz (2013) sowie Opitz & Lenzenweger (2014) ein Beitrag dazu geleistet werden soll, diesbezügliche Kenntnislücken zu schließen. Nicht zuletzt sollen die Galerien für Interessierte als Bestimmungshilfe dienen. Inzwischen sind 350 verschiedene Taxa nach Gattungsgruppen und alphabetisch geordnet in drei Galerien zu sehen (Stand: Juli 2018).

Bezüglich der Taxonomie von Desmidiaceen werden sich aufgrund von DNA-Sequenzen vermutlich zahlreiche Änderungen ergeben. Soweit mir bekannt, werden die Änderungen in den Galerien natürlich berücksichtigt. Selbstverständlich bin ich dankbar für Hinweise auf veraltete Nomenklatur. Die Gattung Spirotaenia gehört mittlerweile nicht mehr zu den Desmidiaceen, wird in den Galerien aber trotzdem noch darunter geführt.







 

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